Die Maske der Spiritualität.

Für unsere spirituellen Maskenträger brechen schwere Zeiten an. Denn unser Bewusstsein entlarvt berechnende Narren immer schneller. Wenn die Energie der Authentizität fehlt und statt dessen ein übersteigertes Ego am Werk ist, empfängt unser Unterbewusstsein dieses Ungleichgewicht und wir reagieren darauf. Denn wir alle sind sensibler geworden. Corona sie dank. Wahre Spiritualität geifert nicht nach Aufmerksamkeit, sie ruht in sich und wertet nicht. Menschen, die wahrhaft spirituell sind, folgen einfach ihrem Herzen, leben ihre Natur und sind liebevoll mit sich und ihrer Umwelt. 


Gerade in dieser aufwühlenden, ungewissen aber auch aufrüttelnden Zeit zeigen sich mehr und mehr die wahren Gesichter und einer nach dem anderen lässt die Maske fallen. Angst und die Dauerbeschallung der Medien lässt den Spalt in unserer Gesellschaft immer größer werden, und Menschen kommen in eine derart hochsensible Stimmungslage, dass sich in aller Öffentlichkeit verbal zerhackt wird. Online und offline. Doch schon seit einer ganzen Weile, lange vor Corona, zeichnete sich bereits eine neue Trendwende des herbei gewünschten Seins-Zustandes in Form einer Maskerade der spirituellen Selbstliebe ab.

 

Menschen die es offenbar für einen Spaziergang halten von Heute auf Morgen im Einklang mit allem zu leben, ohne sich selbst begegnet zu sein, praktizieren dies in einer der höchsten Formen von Arroganz, die in unserem Dasein überhaupt existent sein kann. Die sogenannten Möchtegern-Spirituellen. Stark zu unterscheiden von wirklich gelebter und verantwortungsvoller Spiritualität, die im Sinne für sich selbst und aller anderen absolut als Vorreiter für eine bessere Welt zu verstehen ist. In der spirituelle Werkzeuge und Praktiken durchaus zum Wohle aller mit Bedacht und nachhaltiger positiver Energie eingesetzt werden und ganz real und greifbar einen Raum der Fürsorge erschaffen.

 

Ganz einfach kann man diese Blender daran erkennen ob Worte und Taten zueinander passen oder nicht. Ob aufrichtige Anteilnahme vorhanden ist oder nur ein Miteinander unter gewissen "Ich-hab-dich-lieb-solange-du-so-funktionierst-wie-ich-es-gerne-hätte-Auflagen" koexistieren kann. Ob Jemand wirklich in sich ruht oder Tag ein Tag aus das "bei-sich-sein" wie eine olympische Goldmedaille vor sich herträgt, damit möglichst jeder hinschaut und Aufmerksamkeit schenkt. Die sich in ihrem positiven Energie-Fimmel festbeißen, nur um keine tiefgründigen Beziehungen unterhalten zu müssen und geistige und emotionale Nähe aus einem Konstrukt aus Selbstschutz und Minderwertigkeitsgefühlen heraus aussparen. Die in aller Regelmäßigkeit ungefragt Energiewolken verschicken, geistige Welten über den Zustand der armen, unbewussten Mitmenschen zu Rate ziehen und dir alle Unterstützung und Zuneigung überschwänglich und damit unglaubwürdig zukommen lassen, weil sie sowieso in aller Vollkommenheit über jeden Bescheid wissen. 

 

Doch sobald man sich aber genauer mit ihnen und ihrem Verhalten beschäftigt und aufgrund unstimmiger Energien, wie sie es nennen würden, hinterfragt warum z.B. Worte und Handeln nicht in Harmonie zueinander stehen, wird man in Licht und Liebe fallen gelassen. Mit der inneren Haltung "Das ist deins und nicht meins" wird sich in den Deckmantel des Schweigens gehüllt und dem ach so unbewussten, unbequemen und anstrengenden Zugeneigten im Geiste vergeben. Frei nach dem Motto: Schaue nicht auf mich, schaue auf dich und finde den von deiner Seele gewählten Weg der Erleuchtung. Mögest Du deinem Herzen folgen und die Stufe der Energiefrequenz erreichen, die mir als das Maß aller Dinge bereits zuteil wurde und mir den Freifahrtschein schlechthin ausgegeben hat, dicht zu machen und es als gönnerhafte Belehrung zu verpacken.

 

Dahinter steckt im Grunde nichts anderes als eine Strafe, die sicher nicht aus authentischer Spiritualität resultiert, sondern aus einem deutlichen Mangel an Selbstwert.

 

So können sie sich im Außen selbstverherrlichend und mit augenscheinlich reinem Gewissen distanzieren, ein bis acht Räucherstäbchen anzünden und sich das Gehirn vernebeln lassen, im Anschluss eine Engelkarte ziehen, und ihrem Selbstbetrug einen übergeordneten Sinn verleihen. Wohlweislich bleibt ihnen unbemerkt, dass sie durch diese "das-ist-meins-und-nicht-deins" Haltung ein Trennung philosophieren, die es ja gar nicht geben kann, weil doch alles miteinander verbunden ist. Mit zweierlei Maß zu messen wird als alltagstauglich genutzt und für gut befunden. So umgeht man Verantwortung für sich und andere, die ein oder beide Elternteile ursprünglich in der Kindheit auch nicht übernommen haben.

 

Positive Energie und Selbstliebe zu leben und mit sich und der Welt im Reinen sein zu wollen, entbehrt nicht Tiefgang und klare Worte. Entbehrt nicht die Bereitschaft "ungleiche Energien wieder in Einklang zu bringen". Die Alternative, das flüchten vor Nähe, vor Liebe und nicht zuletzt auch vor sich selbst, hat nicht mehr als stets oberflächliche zwischenmenschliche Beziehungen und häufig wechselnde Herzmenschen inne, die im Grunde nur Einsamkeit und depressive Verstimmungen im stillen Kämmerlein schüren. Da helfen dann auch keine Klangschalen mehr. Und das braucht die Welt und der Träger dieser selbstzerstörerischen Maske noch weniger als einen Corona-Virus.

 

Wahre Spiritualität bedeutet vor allem seinen eigenen Raum nach und nach durch Selbstreflexion und Treue zu sich selbst abzustecken, um besser zu werden. Um in gesunder Weise Fürsorge für sich und andere verantwortungsbewusst zu leben und sich auf ernsthafte Beziehungen einlassen zu können. Seit langem hat sich die Wichtigkeit von Zusammenhalt und Nähe nicht mehr so aufgedrängt wie jetzt. Vielleicht sogar noch nie. Und die Menschen, die sich bisher hinter der Möchtegern-Spiritualität versteckten und bei verschlossener Tür das Pendel geschwungen haben, anstatt den Fokus auf ein Miteinander zu legen und einfach mal Verantwortung für ihren Teil zu übernehmen, sehen sie ihr Konstrukt jetzt nach und nach sich selbst demontieren, da es keinen Halt mehr findet. Jetzt zeigt sich wer wirklich Echt ist, welche Beziehungen tatsächlich Bestand haben und wer den Mut hat über seinen Schatten zu springen und sein übersteigertes Ego ein für allemal abzulegen und einfach mal "sorry" zu sagen. Corona sei Dank – zumindest in diesem Punkt.

 

Wir sind alle nicht hier um perfekt zu sein oder krampfhaft positive Energie erzeugen zu wollen, die sich durch das erzwungene nur in negativer niederschlagen kann, sondern um in unsere Authentizität zu finden, wenn sie einmal verloren gegangen ist. Oder anders gesagt, um zu uns zurück zu finden, wenn uns das Leben so kalt erwischt hat, dass wir uns verloren haben. Stetes Lächeln und winken bringt uns nicht nach bestem Wissen und Gewissen durch diesen Wandel der Zeit, sondern einzig das Vertrauen zueinander und ineinander, das auch ein Konflikt zwischen zweien, ob Personen, Ländern oder Kontinenten durchgestanden werden kann, und daraus im besten Fall ein engeres Band entsteht als je zuvor.

 

Das Unterbewusstsein, der Herzkompass oder wie auch immer man es nennen möchte, erkennt Maskeraden immer schneller. Je authentischer, desto eher wird aufrichtiges Vertrauen geschaffen, desto ehrlicher kann man sich begegnen und eine stabile Basis erschaffen, die uns gemeinsam durch schwere Zeiten trägt, damit wir an leichten Tagen unbeschwert und von Herzen miteinander lachen können.

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