Der Bali-Blues. Kulturschock à la carte.

Foto: Sylvia Donath | Vorführung des berühmten Barong-Tanz.

Die erste Woche im behüteten Hotel neigte sich dem Ende zu. Ich ging frühstücken, drei Toast und verschiedene Früchte mit Joghurt wie jeden Tag und wartete auf gepackten Taschen am Eingang des Hotels auf meinen Fahrer. Heute geht es nach Ubud. Ein Zimmer in einem Guesthouse soll also für die nächsten zwei Wochen mein Zuhause sein. Bevor ich mit dem Grübeln so richtig durchstarten konnte, bog er auch schon um die Ecke und es gab ein freudiges Wiedersehen. Die Fahrt von Jimbaran nach Ubud dauert ca. zwei Stunden, doch legten wir noch einige Stopps ein. Angefangen bei einer Batik-Produktion über eine Silber-Manufaktur bis hin zu einer Luwak-Coffee-Station. Ja richtig, das ist der Kaffee der erstmal durch ein Tier wandert, bevor er in einer Tasse landet. Besser bekannt als Katzen-Kaffee, der teuerste Kaffee der Welt. Hier auf Bali werden die Kaffeekirschen durch einen kleinen Fleckenmusang-Körper (Schleichkatzenart) verdaut und was am Ende übrig bleibt, wird gesäubert, geschält, getrocknet, geröstet, zerstampft und gesiebt. Fertig! Ich bezweifle allerdings deutlich, dass die niedlichen Freunde gerne dieses Dasein in kleinen Käfigen fristen. Angeblich werden sie Nachts raus gelassen. Genau!

 

Nachdem ich mich also durch eine Palette von verschiedenen Tee- und Kaffeesorten probieren durfte, entschied ich mich gegen eine Tasse Luwak-Coffee und bestellte statt dessen einen Lemongrass-Tea. So saß ich nun also da mit meinem Fahrer und der Kaffee-Tante, die natürlich eine Cousine von ihm war. Ich glaube hier sind irgendwie alle verwandt. Wir hielten zu dritt einen netten Plausch auf Englisch, Deutsch und Balinesisch über Gott und die Welt. Und weiter ging es. Endlich angekommen begutachtete der Fahrer sogar noch mein Zimmer, um sich zu vergewissern dass ich auch gut aufgehoben bin und zog wieder seiner Wege. 

 

Nachdem ich das nötigste ausgepackt hatte, ging ich runter in die offene Küche und da saß ich nun. Hallo? Ist irgendjemand hier? Nö! Ich beschloss also wieder in mein Zimmer zu gehen und mich ein wenig auszuruhen. Später sind sicher ein paar Leute hier und vielleicht lerne ich auch endlich den Gastgeber kennen. Gesagt, getan. Nach zwei Stunden ging ich also wieder runter. Hallo? Irgendjemand hier? Nö! Na toll! Nach ca. 30 Minuten tauchte der Poolboy aus einem Loch neben dem Pool auf und ich erfuhr das mein Gastgeber Gede in Jakarta sei, ich aber jederzeit anrufen könne. Aha! Na denn, willkommen in Ubud.

 

Auch hier ist es genauso wie in Jimbaran eher wenig ratsam eine längere Strecke zu Fuß zurück zu legen. Außerdem begann es bereits zu dämmern. Kommen jetzt die Moskitos mit Dengue-Fieber und Malaria im Gepäck? Keiner in Sicht, nur ein kleiner Mini-Gekko leistete mir Gesellschaft. Immerhin! Was machst Du hier eigentlich, Sylvia! Mich beschlich schon wieder dieses Lost-in-Space-Gefühl und außerdem hatte ich eine Zahnfleisch-Entzündung, die mir schon den ganzen Tag auf den Wecker ging. Toll! Ewig weit weg von Zuhause, keine anderen Gäste, kein Personal, keine Dinner-Karte. Aber irgendwas muss ich Essen! Ich gieße mir einfach ein paar Fertig-Nudeln auf – besser als nichts. Oh jeeee, ein Gas-Herd. Ich werde in Flammen aufgehen und irgendwann wird mich Gede als kleinen, schwarzen Haufen Asche finden und sich fragen welcher Idiot da versucht hat zu Kochen. Ok, meine Oma hatte auch so einen, das werde ich wohl hinbekommen. Wasser in den Kessel und... oh, siehe da, es geht ohne Feuerzeug an und ich lebe noch. Meine Güte, Sylvia! Es ist nur ein Gas-Herd und nicht der Weltuntergang, Du wirst dich hier schon zurecht finden. Du bist auf Bali, Dir darf es nicht schlecht gehen. Na und? Geht es mir aber! Welcome to the first Bali-Blues. So kann doch kein Mensch leben. Der Lärm, der Müll an den Straßen, die Hitze, das ganze Viehzeug und immer nur stilles Wasser. Und überhaupt! Wann kommt denn endlich mal Jemand? Ich aß meine Nudeln und ging wieder in mein Zimmer. Erstmal alles mit Citronella gegen nächtlichen Besuch präparieren. Als ich so da lag und versuchte die nicht funktionierende Klima-Anlage per Gedankenkraft zu einem Wunder zu bewegen, wurde ich von dem Citronella-Geruch abgelenkt. Was für ein Gestank, da kann doch kein Mensch schlafen! Nochmal durchlüften, ist zum Glück nicht mehr ganz so heiß draußen und es wehte ein Lüftchen. 

 

Nach einer unruhigen Nacht voller Roller-Getöse und nächtlichem Hahnen-Gekrähe fand die Unruhe ihren Gipfel durch den per Lautsprecher transportierten Gesang eines nahe gelegenen Tempels. Können die nicht leise beten? Herr Gott nochmal! Ok, hab ich verstanden, ich gehe Duschen jetzt! Wieder unten in der Küche angekommen überlegte ich wie ich nun meinen ersten Tag hier gestalten könnte, um dem Bali-Blues endlich zu entkommen und beschloss meine sieben Sachen zu packen und einfach mal raus zu gehen. Da kommt bestimmt ein Taxi. Als ich ein paar Meter gegangen war eröffnete sich mir auf der anderen Straßenseite eine Mietstation für Roller. Mmmmmh... Na gut, hier ist der Verkehr nicht ganz so schlimm wie in Jimbaran. Also Roller gemietet für 3,50 € den ganzen Tag und los. Meine erste Fahrt überhaupt mit so einem Ding und dann noch im Linksverkehr mit Flip-Flops. Herzlichen Glückwunsch! Tatsächlich schaffte ich es nach einer 2-stündigen Erkundungsfahrt unbeschadet zurück zum Guesthouse zu finden und drehte erstmal eine Runde durch den Pool – ohne Roller. Davon verstand ich wenigstens etwas. Und tatsächlich waren auf einmal andere Gäste da. Hallooooo! Eine redselige Engländerin holte mich endgültig aus meinem Tief heraus und nach einem Bali-Coffee (normaler Kaffee) und ein wenig Ruhe stellte sich wieder Zuversicht ein. Ersten Bali-Blues überstanden, puh! Später werde ich dank einer Backpacker-App ebenfalls eine Engländerin treffen und wir gehen zusammen Essen. Läuft doch! Vielleicht miete ich Morgen einen Roller für die ganze Woche.

Batik-Produktion

Dort angekommen werden die Touristen von einer arbeitsreichen Atmosphäre empfangen und es wird alles haargenau erklärt. Darauf folgend wird man durch eine kleine Tür geleitet, hinter der sich ein riesiger Shop mit sämtlichen Batik-Produkten eröffnet. Schals, Tücher, Kleider, Shirts und ich stellte fest: Auch hier ist Profit eins der liebsten.

Silber-Manukaftur

Gleiches Prinzip wie in der Batik-Produktion. Draußen sitzen 5 - 6 handwerklich begabte Balinesen und lächeln freundlich für ein Foto, bevor man wieder in einer großen Halle landet. Voll mit allem was sich aus Silber herstellen lässt. Neben Schmuck findet man dort kleine Figuren, Schatullen, verzierte Muscheln und alles sorgsam einzeln in Plastik verpackt. 

Luwak-Coffee

Der berühmte Luwak-Coffee. Oben links kann man sich denken. Das sind die Exkremente der Fleckenmusangs. Von oben rechts nach unten rechts sind die Bohnen gesäubert, geschält und getrocknet aufgeführt. Danach werden die Bohnen auf einer Feuerstelle geröstet, in einem riesigen Mörser zermahlen und abschließend gesiebt.

 

Fertig ist der Kacka-Coffee :)


Fotos: Sylvia Donath

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Kommentare: 2
  • #1

    Melanie (Samstag, 11 März 2017 08:42)

    Sehr witziger Eintrag!
    Ich hoffe dein Bali Blues ist schon wieder verschwunden! Klingt sehr ubterhaltsam!

  • #2

    Barbara Naumann (Samstag, 11 März 2017 10:54)

    Liebe Sylvia, sehr unterhaltsam geschrieben und ich kann gut nachfühlen, wie es Dir so ging. Da hilft auch nicht ein noch so tolles Ambiente, da bist Du erst einmal allein! War doch eine richtige Idee mit dem Roller, erst mal raus und damit schauen (/ablenken): wo bin ich hier, dann erst kommen die anderen an.
    Ja, das ist das, was ich auch schon erlebt hatte, aber nicht so weit weg und weshalb ich großen Respekt vor Dir habe!!!
    Ich denke, wenn Du dies machst, dann bist Du auch reif dazu und wirst sehr viel bewegen. Mach weiter so und teile mit....
    Liebe Grüße Barbara