Bali, für Dich überfliege ich Grenzen.

Wer seine Träume leben will, muss seine Komfortzone verlassen. Das scheint einfach wie ein Naturgesetz zu sein. Zumindest ist dies auch meine Erfahrung, denn jeder hat sein Päckchen zu tragen – im wahrsten Sinne des Wortes. Angst vor etwas, was im Grunde kein reales Problem darstellt, darf man nicht gewinnen lassen. Ansonsten zieht das Leben an einem vorbei. Doch ist dies leicht dahin gesagt, die Realität fordert einen in manchen Lebenslagen deutlich härter heraus, als es sich vorab einschätzen ließ.


Es ist soweit. Der Tag des Abfluges und noch immer fühlt es sich surreal an. Habe ich an alles gedacht? Perso, Pass, Bikini? Läuft. Was ich jetzt nicht bedacht habe, ist Pech. Nach dem CheckIn ein letztes mal winken und ab zum Gate. Direkt überkam mich Einsamkeit, nun bin ich auf mich allein gestellt und... Mist, der Geschirrspüler ist noch an. Ein Glück, doch etwas vergessen, dann kann ich ja beruhigt fliegen. Die Gateway entlang beschlich mich bereits ein mulmiges Gefühl. Fliegen ist nicht unbedingt das was ich von Morgens bis Abends machen möchte. Als ich meinen Platz eingenommen hatte und draussen den Regen über den Asphalt peitschen sah, wurde aus dem mulmigen Gefühl schlicht weg Angst. Auch der Geschirrspüler konnte nichts mehr ausrichten.

 

Ich werde nun über siebzehn Stunden unterwegs sein, die meiste Zeit davon im Flugzeug. Es begann zu rollen und aus Angst wurde noch mehr Angst. Tränen schossen mir in die Augen und ich saß wie angewurzelt auf meinem Sitz. Es nützt jetzt nichts, Du hast es Dir selbst ausgesucht – ohne Fliegen kein Bali. Nachdem wir endlich oben waren, beruhigte sich alles. Es gab etwas zu trinken und die Musik auf den Ohren besänftigte mich. Soweit so gut, sechs Stunden vergehen wie im Flug (witzig) und dann hast Du die erste Etappe geschafft. Meine Zuversicht wurde nach ca. einer Stunde mit Turbulenzen bestraft. Als die Sitzgurt-Leuchten angingen und der Pilot die dazu passende Durchsage ablieferte, machte sich Panik in meiner Magengegend breit und ich erklärte mich selbst für völlig irre. Allein nach Bali – Du hast doch 'n Schuss! Was soll's, die heimatlichen Gegebenheiten waren Grund genug irre zu sein. Das An- und Abschnallen verlief fröhlich im Wechsel und ich machte innerlich drei Kreuze als wir endlich landeten. Und weiter geht's, auf zum nächsten Flieger – Neun Stunden, Toll! Wenigstens ist es jetzt hell, wird bestimmt besser – NICHT! Von den neun Stunden wurden wir zusammengefasst ca. vier Stunden so richtig schön durchgerüttelt und geschüttelt. Vielleicht denkt der Himmel ich bin Martini, soll ich mir noch eine Olive auf den Kopf schnallen, oder was? Es reicht jetzt! 

 

Irgendwann war es mir einfach auch nur noch Egal. Müder kann man nicht mehr werden und bescheuerter kann man nicht sein. ENDLICH waren wir im Landeanflug, gleich geschafft und dann bin ich da. Krass! Nachdem ich lebend aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, ohne vor Angst gestorben zu sein, sammelte ich mein Gepäck ein und hatte es eilig nach draußen zu kommen. Erstmal eine Rauchen. Sofort stürzte sich ein Horde wildgewordener Balinesen auf mich "You need Taxi, you need Taxi?". In meinem Kopf summte es à la Deichkind: "Nein Mann, ich will noch nicht gehen, ich will noch eine rauchen". Aber sagen hörte ich mich: "No thank you, i need a break". Nachdem auch der Letzte es begriffen hatte und seiner Wege zog, hatte ich aufgeraucht und brauchte ein Taxi. Kaum war die Zigarette aus, stand auch schon wieder einer parat. "You need Taxi?" "Yes!". Er fragte woher ich komme und ich erzählte ihm, dass ich aus Deutschland kommen würde, aber nicht das erste Mal hier sei. Hab ja schließlich keine Lust zuviel zu bezahlen. Als ich dann allerdings auf der linken Seite einsteigen wollte, guckte er etwas sparsam. Naja, Preis stand ja fest. Nach ca. 10 Minuten und etwa fünf roten Ampeln bog der Fahrer endlich in die Einfahrt zum Hotel ein. Danke Gott im Himmel, ich habe mein Ziel erreicht! 

 

Ich bezog mein Zimmer und checkte vor allem Anderen das WLAN. Funktioniert! YIPPIEH. Trotz dessen brach noch keine Freude aus. Ich fühlte mich verloren, einsam und fremd. Zudem konnte ich noch immer nicht vollkommen fassen, dass es nun tatsächlich soweit war, nach wochenlanger Vorbereitung, 'zig Impf-Dröhnungen und Verabschiedungen bin ich hier. Hier auf Bali. Die exotischen Geräusche bestätigten es nochmals mit Nachdruck, so als wollten sie sagen: Nein, es ist kein Traum mehr, es ist jetzt wahr. Warum fühlte ich mich dann so beklommen? Ich beschloss duschen zu gehen und ein wenig Schlaf zu finden, um die neue Situation etwas fitter am nächsten Morgen bei Tageslicht betrachten zu können. Immerhin war es auch schon zwei Uhr nachts. 

 

Am nächsten Tag begriff ich das sich an der Situation so schnell nichts ändern wird und beschloss mich endlich zu freuen. Ich zog mich an, um eine Runde um den Block zu gehen. Da hier doch recht viele Hotels sind, ließ ich mich von der Hitze zu einem schulterfreien Outfit überreden, ist ja Touri-Gegend. Als ich nach einem kleinen Weg das Tor des Resorts passierte und auf die Straße trat, stellte ich fest das sich Niemand sonst zu Fuß bewegte. Naja, Bürgersteige gibt's ja, wird sich wohl einer was bei gedacht haben. Nach einem guten Stück entpuppte sich der harmlose Rundgang eher als Mutprobe. Ich – Schulterfrei und die einzige Fußgängerin. Ist nicht so, das es keinem aufgefallen wäre. Die Frauen grinsten und die Männer wussten nicht so recht wohin mit Ihren Augen, ähnlich wie bei einem Unfall. Sie konnten nicht wegschauen, wollten aber. Schnell bog ich die nächste links ab und ging über den Strand zurück zum Hotel. Tja, hier bin ich wohl der Exoten-Trampel. Welcome to Bali.

 

 


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Kommentare: 3
  • #1

    Sarah (Samstag, 04 März 2017 15:23)

    Wuuhuuu endlich da und heil angekommen. Genieß die Zeit, ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Beitrag �

  • #2

    Melanie (Samstag, 04 März 2017 18:39)

    Der Beitrag ist echt geil, hab das passende Kopfkino!
    Bin sehr gespannt auf alles was kommt!

  • #3

    Barbara Naumann (Samstag, 11 März 2017 11:03)

    ...ich lese mit großem Interesse und bin in Gedanken dabei
    Paß gut auf Dich auf und das Genießen kommt noch.
    Alles Liebe aus Old Germany
    Barbara